Google AI Max verlässt die Beta-Phase: Was sich für Search-Kampagnen jetzt ändert
Das Wichtigste in Kürze
- AI Max verlässt die Beta: Seit dem 15. April 2026 ist die KI-Erweiterung für Search-Kampagnen allgemein verfügbar. Es ist kein wirklich neuer Kampagnentyp, sondern eine zusätzliche Technologieebene aus Search Term Matching und Asset Optimization.
- Zwei getrennte Migrationstermine: Automatically Created Assets (ACA), Text Customization und die kampagnenweite Broad-Match-Einstellung werden ab September 2026 automatisch überführt. Die DSA-Migration hat Google dagegen auf Februar 2027 verschoben.
- Mehr Signale statt reiner Keywords: Anders als Dynamic Search Ads (DSA) stützt AI Max die Zuordnung nicht nur auf Landingpage-Daten, sondern zusätzlich auf Anzeigen, Assets und Echtzeit-Signale zur Suchintention.
- 7 %-Versprechen mit Kontext: Google nennt im Schnitt rund 7 % mehr Conversions bei vollem Feature-Set. Da es sich hier um eine Google eigene Zahl handelt, die stark von Tracking-Qualität und Landingpages abhängt, lässt sie sich aber nicht pauschal auf jede Kampagne übertragen.
- Kontrolle bleibt, Schwerpunkt verschiebt sich: Negative Keywords, Brand Controls, URL-Ein-/Ausschlüsse und Text Guidelines steuern die KI weiterhin – die Arbeit verlagert sich weg von manueller Keyword-Pflege hin zur Sicherung der Datenqualität, klaren Leitplanken und der Kontrolle der Ausspielung.
Google AI Max verlässt die Beta-Phase
Nach rund elf Monaten geht die Testphase zu Ende: Am 15. April 2026 hat Google angekündigt, AI Max für Search-Kampagnen in die General Availability zu führen. Aus einer optionalen Beta wird damit ein fester Bestandteil der weiteren Google-Ads-Strategie. Google spricht im Zusammenhang mit dem Wechsel von der Vorbereitung auf eine „new era of Search“, in der KI einen größeren Teil der Zuordnung zwischen Suchanfrage, Anzeige und Zielseite übernimmt.
Wichtig ist dabei eine klare Trennung: Das Ende der Beta bedeutet nicht, dass Dynamic Search Ads bereits automatisch umgestellt werden. Diese Migration war ursprünglich für September 2026 geplant und wurde inzwischen auf Februar 2027 verschoben. Für andere ältere Search-Funktionen bleibt September 2026 dagegen ein wichtiger Termin.
Was ist Google AI Max überhaupt?
Google AI Max ist kein neuer Kampagnentyp. Es handelt sich um eine zusätzliche KI-gestützte Technologieebene für bestehende Search-Kampagnen. Google bezeichnet die Lösung in der eigenen Dokumentation als „comprehensive suite of targeting and creative enhancements“. Gemeint ist damit ein Paket von Funktionen, das zusätzliche relevante Suchanfragen erschließen und Anzeigen stärker an der jeweiligen Suchintention ausrichten soll.
Das Grundprinzip lässt sich vergleichsweise einfach erklären. Klassische Search-Kampagnen orientieren sich stark an den hinterlegten Keywords. Die neue Technologie kann zusätzlich Informationen aus Anzeigen, Assets und Landingpages berücksichtigen. Der Algorithmus versucht daraus abzuleiten, was hinter einer Suchanfrage steckt und welches Angebot dazu passen könnte.
Technisch sind dafür zwei Bereiche besonders wichtig:
1. Search Term Matching erweitert zunächst die Zuordnung von Suchanfragen: Google kombiniert dafür Broad Match mit asset- und landingpagebasierter Technologie. Laut der Beschreibung des Search Term Matchings fließen vorhandene Keywords, Creatives und URLs in die Bewertung ein. Dadurch kann eine Anzeige auch bei relevanten Suchen erscheinen, die von der bestehenden Keyword-Struktur nicht unmittelbar erfasst werden.
2. Der zweite Baustein ist die Asset Optimization: Dazu gehören Text Customization und Final URL Expansion. Text Customization kann auf Grundlage bestehender Anzeigen, Landingpages und Assets zusätzliche Headlines und Beschreibungen erzeugen. Bei aktivierter Final URL Expansion darf Google außerdem eine andere geeignete Zielseite aus derselben Domain auswählen als die ursprünglich hinterlegte URL. Text Customization muss dafür aktiviert sein, damit die Anzeigenbotschaft zur neuen Landingpage passt.

Die Automatisierung betrifft damit nicht mehr allein die Frage, ob eine Suchanfrage zu einem Keyword passt. Google erhält zusätzlichen Spielraum bei der Auswahl der Suchanfragen, der Anzeigenbotschaft und der dazugehörigen Landingpage.
Google AI Max vs. Dynamic Search Ads
Die Ähnlichkeit zu Dynamic Search Ads (DSA) ist zunächst offensichtlich. Auch DSA wurden entwickelt, um Suchanfragen außerhalb klassischer Keyword-Strukturen abzudecken und Nutzer automatisch auf passende Unterseiten einer Website zu führen.
Der entscheidende Unterschied liegt darin, worauf die Entscheidung basiert.
Dynamic Search Ads orientieren sich stark an den Inhalten und der Struktur einer Website. Die neue Generation geht weiter. Google begründet die Weiterentwicklung von Dynamic Search Ads damit, dass Suchanfragen komplexer und weniger vorhersehbar werden. Statt sich primär auf Landingpage-Daten zu stützen, sollen daher breitere Echtzeit-Signale zur Nutzerintention einfließen. Auch Anzeigen und weitere vorhandene Kampagneninformationen helfen dem System bei der Zuordnung.

Das passt zur Entwicklung der Google-Suche insgesamt. Mit AI Overviews und anderen KI-Funktionen können Nutzer komplexere und stärker dialogisch formulierte Fragen stellen. In seiner Dokumentation zu Anzeigen in AI Overviews erläutert Google, dass sowohl die eigentliche Suchanfrage als auch der Kontext des AI Overviews für die Anzeigenausspielung relevant sein können.
Für das Kampagnenmanagement verändert sich dadurch der Schwerpunkt. Es wird schwieriger, jede denkbare Suchform im Voraus über Keywords abzubilden. Umso wichtiger werden hochwertige Landingpages, klare Anzeigenbotschaften und verlässliche Conversion-Signale, aus denen das System lernen kann.
Was heißt „out of beta“ konkret? Die Migrations-Timeline
Der Übergang erfolgt in mehreren Schritten. Gerade bei Dynamic Search Ads hat Google den ursprünglichen Zeitplan inzwischen deutlich verlängert.
• Seit April 2026: Die freiwillige Umstellung ist möglich. Für DSA stellt Google Upgrade-Werkzeuge bereit, mit denen Einstellungen und historische Daten in Standard-Anzeigengruppen übertragen werden können.
• Ab September 2026: Search-Kampagnen mit Automatically Created Assets, der heutigen Text Customization, sowie Kampagnen mit dem bisherigen kampagnenweiten Broad-Match-Schalter werden automatisch in die neue Struktur überführt. Google hat diesen Termin auch nach der Verlängerung der DSA-Frist beibehalten.
• Ab Februar 2027: Erst dann soll die automatische Migration bestehender Dynamic Search Ads beginnen. Ursprünglich war auch dieser Schritt für September 2026 vorgesehen. Nach Rückmeldungen von Werbetreibenden hat Google das Auto-Upgrade jedoch um mehrere Monate verschoben.

Für die alten Strukturen gibt es damit langfristig keinen Opt-out. Das bedeutet allerdings nicht, dass nach der Migration sämtliche Funktionen aktiv bleiben müssen. Search Term Matching lässt sich auf Anzeigengruppenebene deaktivieren. Text Customization und Final URL Expansion können über die Kampagneneinstellungen ebenfalls gesteuert werden. Die bisherige DSA-Struktur selbst wird dennoch schrittweise abgelöst.
Google verspricht rund 7 % mehr Conversions
Mit dem erweiterten Funktionsumfang verbindet Google ein konkretes Performance-Versprechen. Nach internen Daten, die das Unternehmen selbst im Blogbeitrag zum Upgrade nennt, erzielen Search-Kampagnen mit dem vollständigen Feature-Set durchschnittlich rund sieben Prozent mehr Conversions bzw. Conversion-Wert bei ähnlichem CPA oder ROAS. Verglichen wird dabei die Nutzung von Search Term Matching, Text Customization und Final URL Expansion mit Kampagnen, die lediglich Search Term Matching verwenden.
Die Zahl klingt zunächst überzeugend, braucht aber Kontext. Grundlage sind Google eigene Daten aus dem Jahr 2026 für Werbetreibende außerhalb des Retail-Bereichs. Ein Performance-Zuwachs von sieben Prozent lässt sich daraus nicht pauschal für jede einzelne Kampagne ableiten.
Maßgebend bleibt die Ausgangssituation. Liefert eine Kampagne saubere Conversion-Signale und besitzt sie relevante Landingpages, hat der Algorithmus eine bessere Grundlage für seine Entscheidungen. Lückenhaftes Tracking oder schwache Inhalte werden dagegen nicht automatisch dadurch behoben, dass Google zusätzliche Aufgaben übernimmt.
Auch die reine Conversion-Menge reicht für die Bewertung nicht aus. Bei Leads gehören beispielsweise Lead-Qualität und tatsächliche Abschlüsse in die Analyse. Im E-Commerce sind neben dem ROAS ebenso Margen und reale Umsätze relevant.
In unseren eigenen Tests hat AI Max bislang nicht durchgängig überzeugt. In vielen Fällen haben wir damit sogar schlechtere Ergebnisse erzielt als mit dem bestehenden Setup. Wie groß der Effekt ausfällt, hängt stark von der Branche, der Zielgruppe und der konkreten Google-Ads-Strategie ab. Ein pauschales „an und läuft“ gibt es nicht. Wir testen die Funktionen deshalb weiter systematisch und setzen AI Max dort ein, wo es im jeweiligen Konto tatsächlich einen Vorteil bringt.
Gleichzeitig führt an der Entwicklung langfristig kein Weg vorbei: Die Migration kommt so oder so. Statt sich dagegen zu sträuben, lohnt es sich, die Umstellung selbst in die Hand zu nehmen – kontrolliert, zum passenden Zeitpunkt und mit klar gesetzten Leitplanken, statt sie dem automatischen Upgrade zu überlassen.
Kontrolle & Transparenz: Welche Steuerungshebel bleiben?
Mehr KI bedeutet nicht, dass Werbetreibende sämtliche Kontrolle abgeben. Google stellt mehrere Funktionen bereit, über die sich die Automatisierung begrenzen und gezielter ausrichten lässt.
Negative Keywords bleiben ein grundlegender Hebel, um unerwünschte Suchanfragen auszuschließen. Hinzu kommen Brand Controls. Mit Brand Inclusions lässt sich festlegen, mit welchen Marken eine Kampagne oder Anzeigengruppe verbunden sein soll. Brand Exclusions verhindern dagegen die Ausspielung bei bestimmten Markenbegriffen. Google führt Brand Settings und Locations of Interest ausdrücklich als zusätzliche Steuerungsmöglichkeiten für die KI auf.
Auch geografische Absichten lassen sich dadurch feiner berücksichtigen. Locations of Interest können auf Anzeigengruppenebene festlegen, welche geografischen Interessen bei keywordlosen Matches relevant sind.
Auf Creative-Ebene erfüllen Text Guidelines einen ähnlichen Zweck. Sie geben der automatisierten Texterstellung sprachliche Leitplanken. Für die Landingpages sind wiederum URL Inclusions und URL Exclusions wichtig. Bestimmte URLs können gezielt einbezogen oder als Zielseiten ausgeschlossen werden. Gerade bei umfangreichen Websites sollte vor Aktivierung der Final URL Expansion geprüft werden, welche Bereiche tatsächlich für Werbeanzeigen infrage kommen.
Eine weitere Entwicklung ist der Gemini-basierte AI Brief, den Google Ende April 2026 vorgestellt hat. Mit dem neuen Werkzeug zur Steuerung der KI können Vorgaben stärker in natürlicher Sprache formuliert werden. Messaging Guidelines beschreiben beispielsweise, was eine Anzeige sagen oder vermeiden soll. Matching Guidelines grenzen gewünschte Suchintentionen ein, Audience Guidelines liefern zusätzlichen Kontext zur Zielgruppe. Für Search-Kampagnen beginnt die Einführung zunächst auf Englisch.
Auch beim Reporting bleiben wichtige Einblicke erhalten. Die Reporting-Funktionen für KI-gestützte Search-Kampagnen umfassen unter anderem Suchbegriffs-, Keyword-, Asset- und Landingpage-Berichte. Im Search-Term-Report lassen sich Suchanfrage, verwendete Headline und ausgewählte Zielseite gemeinsam betrachten. Automatisch erzeugte Text-Assets werden im Asset Report zudem als „Google AI“ gekennzeichnet.
Damit verändert sich vor allem die Form der Kampagnensteuerung. Weniger Arbeit fließt in die manuelle Modellierung jeder einzelnen Suchvariante. Mehr Aufmerksamkeit erfordern dafür die Leitplanken, innerhalb derer der Algorithmus arbeiten darf, und die anschließende Kontrolle seiner Entscheidungen.
Was Werbetreibende jetzt tun sollten
Die verlängerte DSA-Frist sollte nicht dazu verleiten, das Thema bis Anfang 2027 aufzuschieben. Gerade die freiwillige Phase bietet die Möglichkeit, die neuen Funktionen kontrolliert unter realen Bedingungen zu testen.
An erster Stelle steht eine verlässliche Conversion-Messung. Automatisierte Systeme optimieren auf die Signale, die sie erhalten. Deshalb sollte vor einer breiteren Nutzung geprüft werden, ob tatsächlich geschäftsrelevante Conversions erfasst werden. Je nach Setup können serverseitige Messmethoden, Enhanced Conversions oder zurückgespielte CRM-Daten die Datengrundlage verbessern.
Danach gehören die Steuerungsregeln auf den Prüfstand. Bekannte negative Keywords, Markenregeln und URL-Ausschlüsse sollten möglichst vor dem Start eingerichtet werden. So lassen sich offensichtliche Fehlsteuerungen bereits vermeiden, bevor der Algorithmus zusätzlichen Spielraum erhält.
Ebenso wichtig ist ein Blick auf die Website. Final URL Expansion schafft nur dann einen Mehrwert, wenn geeignete Unterseiten vorhanden sind. Relevante Landingpages sollten klar strukturiert sein und die jeweilige Suchintention verständlich beantworten.
Für den eigentlichen Leistungsvergleich stehen eigene AI-Max-Experimente in Google Ads zur Verfügung. Dabei wird innerhalb einer bestehenden Search-Kampagne ein Teil von Traffic und Budget einer Kontroll- und einer Testvariante zugeordnet. So lässt sich der Effekt der neuen Funktionen sauberer beurteilen, als nach einer vollständigen Aktivierung lediglich Veränderungen der Gesamtperformance zu beobachten.
Googles Empfehlung ist in diesem Punkt eindeutig. Im offiziellen Migrationsplan rät das Unternehmen dazu, nicht bis zum automatischen Upgrade zu warten. Eine frühzeitige freiwillige Umstellung ermöglicht es, Einstellungen bewusst festzulegen, Tests durchzuführen und Erfahrungen mit den zusätzlichen Steuerungsmöglichkeiten zu sammeln.
Fazit
Mit dem Ende der Beta wird die KI-gestützte Erweiterung zu einem festen Bestandteil der weiteren Entwicklung von Google Search Ads. Sie ergänzt klassisches Keyword-Matching um zusätzliche Signale, kann Anzeigeninhalte anpassen und geeignete Landingpages dynamisch auswählen.
Die Migration erfolgt allerdings schrittweise. Automatically Created Assets bzw. Text Customization und die kampagnenweite Broad-Match-Einstellung sollen ab September 2026 in die neue Struktur übergehen. Für Dynamic Search Ads hat Google den automatischen Wechsel dagegen auf Februar 2027 verschoben.
Wie eingangs beschrieben, deckt sich das Performance-Versprechen nicht mit jedem Konto: Unsere bisherigen Tests zeigen ein gemischtes Bild, und ob AI Max einen Vorteil bringt, entscheidet sich von Fall zu Fall. Genau deshalb bleibt der Schritt eine bewusste Entscheidung und keine, die man dem Automatismus überlässt. Wer den Zeitpunkt selbst wählt und die neuen Funktionen kontrolliert einführt, behält die Steuerung in der Hand, statt sie zum Stichtag abzugeben.
Mehr Automatisierung macht sorgfältige Kampagnenarbeit damit keineswegs überflüssig. Ihre Schwerpunkte verschieben sich jedoch auf Datenqualität, passende Landingpages, klare Leitplanken und die Kontrolle der tatsächlichen Ausspielung. Wer die Übergangsphase für strukturierte Tests nutzt, erkennt früh, wo die zusätzlichen Freiheiten einen echten Performance-Vorteil schaffen und wo weiterhin enge Grenzen sinnvoll sind.