4. Mai 2021

Facebook Ads

Facebook & Instagram bald kostenpflichtig?­čĺ░

Es ist eigentlich selbstverst├Ąndlich: Man ├Âffnet Facebook & Instagram und swipt mal kurz durch den eigenen Newsfeed. Nun sind erstmals Hinweise aufgetaucht, dass f├╝r die Nutzung eine Geb├╝hr anfallen k├Ânnte. Was es damit auf sich hat, diskutieren wir im folgenden Beitrag.
Bezahlen f├╝r Facebook?

Das Gesch├Ąftsmodell von Facebook

Facebook ist eine soziale Plattform, die es seit der Gr├╝ndung 2004 erm├Âglicht, Nutzer miteinander zu vernetzen. Nach einem erfolgreichen Start muss sich jeder kostenlose Dienst irgendwann die Frage stellen, wie man die Entwicklung der eigenen Plattform amortisiert bzw. mittelfristig sogar Gewinne erwirtschaften kann.

Mit einer zunehmenden Masse an Nutzern wird eine Plattform auch attraktiver f├╝r Unternehmen, die ihre Produkte und Leistungen dort vermarkten k├Ânnen. So hat Facebook im November 2007 ein neues Angebot f├╝r Unternehmen geschaffen: Facebook Ads.

Facebook
Facebook Newsroom; November 6, 2007

Wie im Hilfebereich der Plattform deutlich wird, kann aufgrund der Werbeschaltung eine kostenlose Nutzung sichergestellt werden: 

ÔÇ×Nein, f├╝r die Nutzung von Facebook erheben wir keine Geb├╝hren. Stattdessen bezahlen Werbetreibende f├╝r das Schalten von Werbung in Apps und anderen Services der Facebook-Familie. So k├Ânnen wir Facebook f├╝r alle verf├╝gbar machen, ohne f├╝r den Zugang eine Geb├╝hr zu erheben.ÔÇť

Der Grundsatz lautet hierbei: Daten, Daten, Daten. Denn nur, wenn eine Plattform viele Daten von Nutzern erhebt, kann Werbung auch zielgerichtet ausgesteuert werden. Hierbei sprechen wir also von personalisierter Werbung. Im Idealfall profitieren hierbei gleich beide Seiten: Die Nutzer bekommen (statt generischer Werbung) auf sie zugeschnittene Werbeanzeigen und die Unternehmen k├Ânnen ihre Werbeziele (wie bspw. Umsatz) effizient steigern.

Zuckerberg hatte auch zuletzt immer wieder betont, dass die Nutzung von Facebook kostenlos ist und auch bleiben wird. Eine zus├Ątzliche kostenpflichtige Version wurde allerdings nie konkret ausgeschlossen. Was hat sich nun ge├Ąndert?

Apples Datenschutz-Offensive mit iOS 14.5

Wie wir in unserem letzten Beitrag geschildert haben, werden iOS-Nutzer mit dem neuen Software-Update iOS 14.5 fortan um Erlaubnis gebeten, die eigenen Aktivit├Ąten von Facebook erheben zu lassen. Wer also den neuen Hinweis in der Mobile App ablehnt, wird zuk├╝nftig nicht (bzw. sehr eingeschr├Ąnkt) getrackt und demnach kann auch nur noch sehr eingeschr├Ąnkt personalisierte Werbung ausgeliefert werden.

Pop-up von ATT bei Facebook

Mit dieser sogenannten ÔÇťApp Tracking TransparencyÔÇŁ (kurz: ATT) von Apple sind stark zu erwartende Einschnitte in das Gesch├Ąftsmodell des sozialen Netzwerks zu erwarten. Denn fortan wird es immer schwieriger, als Werbetreibender personalisierte Werbung ├╝ber Facebook und Instagram auszuliefern. Das oben geschilderte (kostenlose) Gesch├Ąftsmodell auf Datenbasis kommt ins Schwanken.

Unsere Meinung: Apples ATT & Datenschutz

Apples Bem├╝hungen um Privatsph├Ąre sind ein wichtiger Schritt in Richtung Datenschutz. Denn hierbei wird ÔÇô wie auch bei der DSGVO ÔÇô in der Gesellschaft f├╝r Aufmerksamkeit gesorgt und Nutzer machen sich Gedanken ├╝ber den Umgang ihrer personenbezogenen Daten. Aus unserer Sicht wirkt das Vorgehen und die Umsetzung von Apple allerdings etwas scheinheilig: Ein f├╝r den Verbraucher sensibles Thema wie Nutzertracking wird vorgeschoben, um den Wettbewerb zu unterbinden und die eigenen Gesch├╝tze in Richtung personalisierte Werbung auszufahren. Denn eines ist klar: ATT gilt f├╝r alle Anwendungen im App Store au├čer nat├╝rlich die von Apple selbst. ­čśë

Ein Beispiel f├╝r die PR-Kampagne:

In dem Video wird klar, dass mit Aussagen wie ÔÇťYou become the productÔÇŁ gezielt die Nutzer angesprochen werden. Was Apple hier macht, ist eine ausgekl├╝gelte ├ľffentlichkeitsarbeit, um die Nutzer gegen Facebook & Co. anzuheizen und sich hiermit selbst einen wirtschaftlichen Vorteil zu verschaffen, indem die marktbeherrschende Stellung weiter ausgebaut wird ÔÇô eine klare Win-win-Situation.

Wir sind der Meinung, dass Datenschutz in keinem Widerspruch zu personalisierter Werbung steht. Hierbei ist jedes Unternehmen selbst verantwortlich, die Nutzerdaten datenschutzkonform zu erheben und zu verarbeiten.

Neuer Hinweis auf Geb├╝hr unter iOS 14.5.1

Bei einigen Nutzern unter iOS 14.5.1 sind nun Screens aufgetaucht, bei denen diese ├╝berzeugt werden sollen, dem Tracking auf Facebook zuzustimmen, um eine kostenpflichtige Version zu vermeiden. Facebook versucht hiermit, die Nutzer vor dem eigentlichen Tracking-Popup dar├╝ber aufzukl├Ąren, welche Folgen es f├╝r die Plattform und den Nutzer hat, wenn dem Tracking widersprochen wird.

Neuer Hinweis unter iOS 14.5.1 bei Facebook

Facebook appelliert hierbei an den Nutzer, zuk├╝nftig weiterhin relevante Werbung zu erhalten und auf der anderen Seite die werbenden Unternehmen zu unterst├╝tzen (s. Gesch├Ąftsmodell oben). Zudem erfolgt ein subtiler Hinweis, dass Nutzer dazu beitragen k├Ânnen, dass Facebook weiterhin f├╝r alle kostenlos bleibt. Denn eines ist klar: Wenn zuk├╝nftig Facebook Ads weniger profitabel werden, wird auch weniger Budget von Werbetreibenden investiert. Ergo schrumpft auch der Gewinn der Plattform und alternative Einnahmequellen sind wahrscheinlich.

Ein Modell, das hierbei vermutlich jedem in den Kopf schie├čt, ist eine Abfrage, ob die Nutzung kostenlos mit personalisierter Werbung gew├╝nscht ist oder ein Abomodell g├Ąnzlich ohne Werbung gew├Ąhlt wird. Macht das Sinn?

Unsere Meinung: Kein Abomodell von Facebook

Facebook hat gegen├╝ber Apple einen aktiven Widerstand angek├╝ndigt. Dass Facebook also nun neue Wege beschreitet, war abzusehen. Ob nun der neue Hinweis gegen├╝ber den Nutzern in dieser Form sinnvoll ist, stellen wir infrage. Wir verstehen jedoch, dass die Mittel von Facebook immer eingeschr├Ąnkter werden und somit der direkte Kontaktweg zu den Nutzern gesucht wird. Hier gilt abzuwarten, inwieweit sich Facebooks Ma├čnahmen auf die Erlaubnis des Trackings auswirken ÔÇô und ob sich Apple ├╝berhaupt in irgendeiner Weise davon beeindrucken l├Ąsst.

Falls eine Mehrzahl der Nutzer dem Tracking widerspricht, gehen wir trotzdem nicht davon aus, dass die Plattform zuk├╝nftig gegen eine Geb├╝hr betreten werden kann. Das w├╝rde sicherlich einen Gro├čteil der Nutzer ver├Ąrgern (Tracking vs. Abo). Wir gehen davon aus, dass Facebook neben den aktuellen Ma├čnahmen im Facebook Ads Bereich auch schon an weiteren M├Âglichkeiten t├╝ftelt. So steht im aktuellen Ressourcenbereich in Bezug auf iOS 14.5:

ÔÇťWir arbeiten weiterhin daran, dir weitere Ressourcen und L├Âsungen anzubieten, sobald sie verf├╝gbar sind.ÔÇŁ

Eine logische M├Âglichkeit f├╝r uns ist die Fokussierung auf Daten losgel├Âst von Website- und App-Events, um mehr Nutzerdaten auf der Plattform selbst zu erheben. Nur ein Beispiel: Wenn der komplette Kaufprozess innerhalb der Plattform abgebildet werden kann, sind keine Daten mehr au├čerhalb der Plattform notwendig. Es gilt abzuwarten, welche neuen Ideen Facebook hervorbringt.

Was meint ihr: Ist der Hinweis nur Panikmache (als Hilferuf) oder ein ernst zu nehmender Hinweis f├╝r ein baldiges Preismodell?

Jannik Bork

Jannik Bork

Als Facebook Ads Professional verantwortet Jannik den Bereich Facebook- und Instagram-Ads der Agentur. Wenn er gerade nicht bei Facebook an den Zahlen schraubt, mischt er flei├čig bei der Werbemittelerstellung f├╝r Kunden mit.

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