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Das Metaverse erklärt #1: Grundlagen und Schlüsseltechnologien

Meta… was? Metaverse! Wir erinnern uns zurück: Bereits im September haben wir über einen Vortrag berichtet, den wir auf der #dmexco22 gehört haben. Damals hat uns Stefan Doll, Co-Founder der 42 Meta GmbH, darüber aufgeklärt, wie Online-Marketing im Metaverse funktionieren kann. Mit einem geschätzten Marktvolumen von 8 bis 13 Milliarden US-Dollar bis 2030 lockt das Metaverse immer mehr Firmen in seine digitalen Weiten. Diese werden wir dir in einer Reihe von Beiträgen näherbringen. Um einen Einstieg in das heiß diskutierte Thema zu bekommen, starten wir mit den Grundlagen und Schlüsseltechnologien. Also von vorne:

Inhaltsverzeichnis

Das Metaverse kurz erklärt

Bestimmt wirst du bereits vom Metaverse gehört haben. Aber was genau ist das eigentlich? Bei dem Begriff denkst du vermutlich an Virtual-Reality-Brillen, virtuelle Realität und eine Grafik, die an Mojangs Minecraft erinnert. Und im ersten Moment ist es momentan auch gar nicht viel mehr. Das Metaverse stellt eine interaktive und digitale Umgebung dar. In diesem fiktiven Universum können die NutzerInnen als Avatare alles tun, was sie auch in der realen Welt machen können: shoppen, arbeiten, spielen oder Freunde treffen. Wichtig zu wissen ist, dass es “das eine Metaverse” nicht gibt. Theoretisch könnte es unendliche Metaversen geben – ob das Sinn macht, ist eine andere Frage, die wir hier nicht beantworten werden. In unserer Reihe “Das Metaverse erklärt” wird außerdem vereinfachend von “dem Metaverse” als technologische Innovation gesprochen.

Die Definition des Metaverse

Das Metaverse ist eine Vision für eine gemeinsame Online-Welt, in der virtuelle (Virtual Reality) und erweiterte (Augmented Reality) Realitäten, der Cyberspace und die physische Welt zusammenfließen. In ihr können NutzerInnen umfassend miteinander interagieren, indem sie sich mit ihrer digitalen Identität in einem gemeinsamen virtuellen Raum ohne Grenzen bewegen. Und auch wenn es aktuell bereits einige Metaversen zu geben scheint, ist die Komplettierung dieser technischen Errungenschaft – des “einen Metaverse” – noch in weiter Ferne. Denn entgegen der Auffassung, dass es mehrere Metaversen gibt, sagen führende Köpfe ganz klar: Es wird nur ein Metaverse geben. Aaron Frank, Experte für Singularität beschreibt es in einem Interview wie folgt:

 

“(…) Das grösste Missverständnis ist, wenn der Plural verwendet wird. (…) Das Metaverse ist das Internet, aber es ist eine dreidimensionale virtuelle Welt, die auf Game Engines basiert und die wir online als Avatar erleben.”

 

Die Wortherkunft des Metaverse erklärt

Dabei ist der Begriff des “Metaverse” kein neuer. Er wurde bereits 1991 in dem Science-Fiction-Roman “Snow Crash” des US-Schriftstellers Neal Stephenson genutzt. Hier wird das Metaverse als global verbreitete, virtuelle Realität dargestellt, in dem von Menschen gesteuerte Avatare umherwandern. Also genau das, was es momentan auch ist. Die Idee des Metaverse wurde außerdem von zahlreichen anderen Büchern, Spielen und Filmen aufgegriffen. Zu den bekanntesten gehören etwa das Spiel Second Life (2003) oder die Matrix-Trilogie (1999-2003 – den vierten Teil ignorieren wir gekonnt). Das Wort Metaversum (dt. für “Metaverse”) setzt sich aus den beiden Teilen „Meta“ und „Universum“ zusammen. Ein Universum ist die Gesamtheit von Raum, Zeit, Materie und Energie. Die Vorsilbe „Meta“ bedeutet so viel wie „Jenseits“ und bezieht sich somit auf eine höhere Stufe des Universums.

Schlüsseltechnologien und Eigenschaften des Metaverse

Bevor wir aber diese höhere Stufe des Universums erreichen, benötigt es zahlreiche Schlüsseltechnologien, die zur Realisierung notwendig sind. Einige sind mittlerweile schon weiter entwickelt als andere und sicher nichts ganz Neues für dich. Dennoch haben wir dir hier einmal die wichtigsten Technologien aufbereitet.

Virtual-Reality-Brillen (VR-Brillen)

Die VR-Brillen ermöglichen dir räumliches Sehen. Dadurch kannst du in eine simulierte Welt, beispielsweise das Metaverse eintauchen und sie im dreidimensionalen Raum erleben. Mithilfe zusätzlicher Technik wie beispielsweise VR-Handschuhen (bzw. VR-Controllern) sind sogar Interaktionen in der digitalen Welt möglich.

Smart Glasses

Smart Glasses sind mehr als Brillen. Sie sind eine Art tragbarer Computer vor den Augen, welcher dem Sichtfeld des Nutzers Informationen hinzufügt. Dadurch ermöglichen sie Augmented- bzw. Mixed-Reality.

Augmented Reality (AR)

Unter der erweiterten Realität ist die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung zu verstehen. Theoretisch können so all unsere Sinne erweitert werden. Geläufig ist jedoch nur die visuelle Ergänzung von Informationen – sprich: Bilder oder Videos werden mit Zusatzinformationen versehen, die von einem Computer generiert wurden. Ein praktisches Beispiel ist etwa die Einblendung der Entfernung bei einem Freistoß.

Holografische Verfahren

Mithilfe von holografischen Verfahren ist es uns möglich, Wellen aufzuzeichnen und auch wiederzugeben. So lassen sich etwa Licht, Röntgenstrahlen oder Schallwellen durch Holografie aufzeichnen und können anschließend als Hologramm wiedergegeben werden. Ein Start-up aus den Niederlanden stellte dieses Jahr ein holografisches “Portal ins Metaverse” auf der Hannover Messe vor. NutzerInnen können dadurch in Echtzeit als Hologramme im Metaverse auftreten.

5G

Bei 5G handelt es sich um einen aktuellen Mobilfunkstandard, der immer weiter an Verbreitung gewinnt. Er baut auf dem Standard LTE (bzw. 4G) auf, weist allerdings eine (um den Faktor 100) höhere Datenkapazität und eine über tausendfach schnellere Datenübertragung auf. Dabei benötigt 5G weniger Strom als seine Vorgängervariante. Ergo: Mehr Leistung, weniger Verbrauch.

Künstliche Intelligenz (KI)

Anhand der Künstlichen Intelligenz (KI) wird versucht, das menschliche Denken und Lernen auf einen Computer zu übertragen. So soll er eine (künstliche) Intelligenz entwickeln. Dadurch müsste der Computer nicht mehr für jeden Zweck programmiert werden, sondern ist in der Lage, eigenständig Antworten zu finden und so Probleme zu lösen. Computer werden also mit der Fähigkeit eines Säugetiergehirns ausgestattet.

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Maschinelles Lernen

Das Maschinelle Lernen (Machine Learning) stellt einen Teilbereich der KI dar. Auf der Grundlage von vorhandenen Datensätzen erkennen Computer Muster und Gesetzmäßigkeiten und erarbeiten spezifische Lösungen. Es wird also (künstliches) Wissen aus vorhandenen Erfahrungen erzeugt.

Künstliche Neuronale Netzwerke (KNN)

Die Künstlichen Neuronalen Netzwerke (KNN) sind ein System aus Hardware und Software. Ihre Funktionsweise ist den Neuronen im menschlichen Gehirn nachgebildet. Die KNN werden für die künstliche Intelligenz und das maschinelle Lernen eingesetzt. Durch sie lassen sich einige Problemstellungen lösen, die für das menschliche Hirn fast unmöglich wären und für die wir signifikant mehr Zeit benötigen würden.

Das Web3

Das Web3 ist quasi der Nachfolger des aktuellen Web2, welches allgegenwärtig ist und ein Lese-Schreib-Web darstellt. Das Web3 hingegen wird ein Lesen-Schreiben-Besitzen-Web sein, das den NutzerInnen Macht (in Form von Eigentum) zurückgeben soll. Es basiert auf Blockchains, Kryptowährungen und NFTs. Das Web3 ist ein noch junges Ökosystem, das sich jedoch aktuell stark weiterentwickelt. Für seine Entwicklung sind einige Grundprinzipien maßgeblich.

Dezentralisiert
Im Gegensatz zum Web2 soll das Web3 nicht größtenteils von zentralisierten Einrichtungen kontrolliert werden. Vielmehr soll das Eigentum unter den NutzerInnen und ErstellerInnen verteilt werden.

Berechtigungsfrei
Es gibt den gleichen Zugang für jeden und niemandem wird das Web3 vorenthalten.

Native Zahlungen
Um online Geld auszugeben/zu verschicken werden Kryptowährungen genutzt.

Es braucht kein Vertrauen
Das Web3 arbeitet mithilfe von wirtschaftlichen Mechanismen und setzt so Anreize. Im Gegensatz zum Web2 verlässt es sich nicht auf “vertrauenswürdige Dritte” wie beispielsweise Notare oder Banken.

Peer-to-Peer Kommunikation

Die Peer-to-Peer (P2P) Kommunikation meint eine Kommunikation, die unter Gleichen stattfindet. Im Kontext des Metaverse reden wir also von Computer-Computer-Verbindungen. Dabei sind die Teilnehmer (in diesem Fall die Rechner) direkt miteinander verknüpft und verfügen über die gleichen Rechte. Direkte Verknüpfung bedeutet hier, dass keine Server zwischengeschaltet sind.

Die Blockchain

Die Blockchain – im Deutschen so viel wie “Blockkette” – ist eine Art Datensatzkette. Ein Block entspricht dabei einem Datensatz. Diese werden hintereinander abgespeichert, wodurch eine Kette entsteht. Aktuell wird sie vor allem für Finanztransaktionen genutzt und wurde in der breiten Masse im Kontext des Bitcoin-Booms bekannt. Die Besonderheit der Blockchain ist, dass sie eine verteilte Datenbank ist. Das heißt, dass die TeilnehmerInnen des Blockchain-Systems auf ihrem Rechner jeweils eine vollständige Kopie der Datenhistorie abspeichern. Dadurch wird die Sicherheit vor Manipulation deutlich erhöht. Sollte eine Kopie etwa manipuliert werden, gibt es genügend richtige Kopien. So kann der manipulierte Datensatz einfach ausgetauscht werden. Die Reihenfolge der aneinandergereihten Blöcke wird zusätzlich durch eine Prüfsumme abgesichert. So wird verhindert, dass die Reihenfolge der Blöcke im Nachhinein verändert werden kann. Durch die hohe Sicherheit entfallen Kosten für Dritte (beispielsweise Kontroll- oder Verwaltungsinstanzen wie Notare oder Banken) und setzt daher die P2P-Kommunikation voraus. Ein großer Nachteil dieser Technologie ist der irrsinnig hohe benötigte Speicheraufwand.

Non-Fungible-Token (NFT)

NFTs sind zu deutsch so etwas wie nicht ersetzbare Wertmarken. Sie stellen eine digitale Einheit dar. Diese bilden einen definierten realen oder virtuellen Gegenstand in einer Blockchain ab. Durch die Implementation in die Blockchain macht sie diesen Gegenstand einzigartig. Es entstehen digitale Unikate, die “nicht ersetzbar” sind. So können sie in der digitalen Welt als Eigentums- oder Echtheitsnachweis dienen. NFTs wurden in letzter Zeit vor allem genutzt, um (einmalige) Kunstwerke zu handeln. Im Metaverse werden NFTs beispielsweise genutzt, um Kleidung oder anderweitigen Besitz für die Avatare zu handeln.

Die 7 Kernattribute im Metaverse erklärt

Nachdem wir dir die wichtigsten Technologien, die das Metaverse gestalten werden, hoffentlich etwas näher gebracht haben, ist nun das Metaverse selbst an der Reihe.
Eines der wichtigsten Merkmale des Metaverse ist seine Interoperabilität zwischen den Anwendungen im digitalen und realen Raum. Dadurch ist es möglich, Elemente und Objekte in die verschiedenen Anwendungen der realen und virtuellen Welt mitzunehmen. Digitale Güter können – etwa durch NFTs – eindeutig markiert und identifiziert werden. Ein weiteres wesentliches Merkmal ist die Dezentralisierung des Metaverse, auch wenn Tech-Giganten (siehe Meta) versuchen werden, so viel wie möglich davon zu kontrollieren. Neben Mark Zuckerberg (CEO Meta) gibt es einen weiteren Big Player, der die Entwicklung des Metaverse vorantreiben will: Tim Sweeney, CEO von Epic Games. Um zu verstehen, was sie sich vom Metaverse erhoffen, haben wir uns in das Essay von dem Risikokapitalisten Matthew Ball eingearbeitet. Dieses konnte von den beiden Firmenchefs positives Lob einholen. Dennoch gibt der Text Folgendes wieder:

 

“[…] die vollständige Vision für das Metaverse bleibt schwer zu definieren, fantastisch und Jahrzehnte entfernt.”

 

Nach Ball können trotz dessen sieben Kernattribute für das Metaverse festgelegt werden. Das Metaverse wird:

Beständig sein. Das heißt, es wird nie zurückgesetzt, pausiert oder enden. Es läuft, anders als unser begrenztes Dasein, unbegrenzt weiter.
Synchron (Live) sein. Obwohl, genau wie im wirklichen Leben, im Voraus geplante und in sich abgeschlossene Ereignisse stattfinden werden, wird das Metaverse eine lebendige Erfahrung sein, die für jeden durchgängig – also in Echtzeit – existiert.
Keine Begrenzung der Zahl der gleichzeitigen Nutzer haben. Gleichzeitig soll jeder Nutzer ein individuelles Gefühl der „Präsenz“ haben. Jeder kann Teil des Metaverse sein und an einem bestimmten Ereignis/Ort/ bzw. einer bestimmten Aktivität gemeinsam, zur gleichen Zeit und mit individueller Handlungsfähigkeit teilnehmen.
Eine voll funktionsfähige Wirtschaft sein. Einzelpersonen und Unternehmen werden in der Lage sein, ein unglaublich breites Spektrum an Arbeit zu schaffen, die einen Wert erzeugt, der von anderen anerkannt wird. Sie werden in der Lage sein, diese Arbeit zu besitzen, mit ihr zu investieren, sie zu verkaufen und dafür entlohnt zu werden.
Eine Erfahrung sein, die sowohl die digitale als auch die physische Welt, private und öffentliche Netzwerke/Erfahrungen sowie offene und geschlossene Plattformen umfasst.
Eine noch nie dagewesene Interoperabilität von Daten, digitalen Gegenständen oder Inhalten bieten. Man könnte beispielsweise Skins für Counter-Strike-Waffen auch auf Waffen in Fortnite anwenden, oder sie über Facebook einem Freund schenken. Ein für die Porsche Website entworfenes Auto könnte plötzlich in Rocket League oder in Roblox von den NutzerInnen gespielt werden.
Von „Inhalten“ und „Erfahrungen“ bevölkert werden, die von einer unglaublichen Vielzahl von Mitwirkenden geschaffen und betrieben werden. Einige davon können unabhängige Einzelpersonen sein, während andere informell organisierte Gruppen oder kommerziell ausgerichtete Unternehmen sein können.

Dran bleiben lohnt sich, wir erklären dir warum: Ein Ausblick auf das Metaverse

Mittlerweile sind wir der Komplettierung des Metaverse näher denn je, gleichzeitig aber noch weit davon entfernt. Erste kleine Anläufe, wie etwa Fortnite oder Roblox, werden missverständlich häufig als eigene, kleine Metaversen betitelt. Dabei gleichen sie eher virtuellen Online-Welten, die jeweils Teilfunktionen des Metaverse enthalten.
Dennoch ist Epic Games’ Fortnite ein Vorreiter in der Erforschung und Umsetzung der Techniken, die auch für das Metaverse wichtig sein werden. Epic hat festgestellt, dass die SpielerInnen anfingen, sich nach dem Spielen weiterhin mit ihren Freunden in der virtuellen Welt aufzuhalten. Um die NutzerInnen weiter zu begeistern, begann Epic damit, Konzerte (Marshmello, Travis Scott, Ariana Grande) und Filmabende zu veranstalten. So gewöhnen sich die SpielerInnen sukzessive daran, immer mehr Zeit in der virtuellen Welt zu verbringen. Und das ohne dabei etwas zu spielen.

Spannend oder Irrsinn? Wohin es mit dem Metaverse gehen soll, wie sich darauf Umsatz generieren oder Werbung schalten lässt, erfährst du in den nächsten Teilen dieser Reihe. Abonniert gerne unseren Newsletter, um auf dem Laufenden zu bleiben. Bis dahin kannst du dir ja schonmal einen Zugang verschaffen und dir selbst ein Bild machen. Adieu!

Nico Gündling
Nico Gündling

Als Performance Marketing Manager wacht Nico über unsere Kampagnen und versorgt zusätzlich unsere Social-Kanäle mit Inhalten. Wenn er nicht gerade in Abstimmungsprozessen festhängt, rettet er die Leben unserer Office-Pflanzen. Vielleicht auch bald in unserem Metaverse-Office?

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